"Folk News" vom 02.03.2017

Von Folkaholix

Ein kreativer Leckerbissen aus dem Jahr 2016 trägt den Titel „Vérité et Poésie“ und präsentiert in zehn Titeln eine bissig, witzige Hommage des Wesentlichen, das dem Alltäglichen innewohnt. Urheber: Stellmäcke & Trotzband. Nomen est omen. Der namengebende Titel eröffnet den 52-minütigen Reigen zwischen Liedermacherimpulsen, Chanson und Gypsy sowie einem Hauch Folklore. Mit vielstimmigen Gesang, Gitarre, Schlagzeug, Akkordeon, Kontrabass, Saxophon, Klarinette, Piano und weiteren gastmusikalischen Besetzungen geizt die Scheibe nicht mit instrumentaler Vielfalt. Gleiches gilt für den Sprach- und Inhaltswitz, der das komplette Album durchzieht. Die Ästhetik und gleichzeitige Kritikwürdigkeit des Kleinen avanciert zum Großen und erlangt qua Musikalität die ihr zustehende Rolle im Reigen zwischen Wichtigem und Wichtig-Genommenen. Die Folgetitel Schlafwandler und Asyl verlieren etwas an Fahrt, ehe Banal ein wenig vom Gesangsduktus Gundermanns offenbart, indes kurz darauf ein beinahe grönemeyereskes „Eyyyyy, Eyyyyy, Eyyyyy“ über die Instrumentation mäandert. Text und Melodie karikieren einander wetteifernd – hier und da ein My zu viel, im Gesamteindruck jedoch durchaus vortrefflich. Ohne Zeigefinger zu konstatieren, ohne Zynismus Inhalte zu offenbaren und zu unterhalten – das ist die grandiose Leistung dieses Albums.

www.folknews.de

"Folkworld" 11/2016

von Karsten Rube

Der Liedermacher Stellmäcke gehört zu den durchtriebensten Poeten Deutschlands. Jenen wenigen, die man nicht mit der Brechstange ins Kabarettklischee gehebelt bekommt, die vom Chanson beseelt sind, ohne Chansonier genannt zu werden und die mit ihrem Humor auf einem Grat balancieren, der hoch über den Abgründen von belangloser Albernheit und zynischer Respektlosigkeit einem eher einsamen Pfad folgen. "Vérité et poésie" heißt sein Album, das er 2015 mit der Trotzband aufgenommen hat. Zehn eigenwillig getextete Songs kann man darauf hören, die überraschen, aufrütteln und dabei trotzdem eine sympathische Freundlichkeit ausstrahlen. Das erste Hörerlebnis mag dabei etwas verstörend wirken. Ein Lied, wie "Asyl", das die Borniertheit diktatorischer Systeme ebenso zum Thema hat, wie die Eigenheit des Einzelnen, sich immer nach dem zu sehen, was gerade nicht da ist, gehört mit seiner melancholischen Melodieführung zu den Stellen des Albums an die man sich kaum gewöhnen kann. Soll man vielleicht auch nicht, denn so bleibt es stärker präsent. "Der Rettungsschirm" karikiert auf absurde Weise Abhängigkeit. "Banal" ist ein Rocksong, der gekonnt einfallslose Konzertverlängerungseinlagen aufs Korn nimmt, die nur für die Selbstdarstellung des Stars auf der Bühne wichtig sind. Das Lied ist zu lang. Das nervt. Stellmäcke trifft hier die Zielscheibe genau im Zentrum. In "Das schafft er nie" beschreibt Stellmäcke die Angst eines Menschen vor Bindung und dem eigenen Selbstbewusstsein. Das tut er an der Person eines Outdoorjunkies und Extremsportlers. Einer, der der Welt beweisen muss, was für ein Held er ist und der an den Herausforderungen des tatsächlichen Lebens verzweifelt. Mein Lieblingslied ist der spritzige Flamencopop "Te saludo, me amigo", in dem ein braver Beamter auf ein Schreiben aus Andalusien hin seine Sachen packt und im Wohnwagen allen Verbindlichkeiten entflieht. Das kann ich mir täglich dreimal anhören, ohne mich zu langweilen. Das gilt übrigens für das ganze Album.

www.folkworld.de

Volksstimme vom 01.10.2016

Kleinkunst für Große erhält viel Beifall

Von Oliver Becker

Stellmäcke und Müller unterhielten ihr Publikum mit Musik, Wort und Witz

Im Rahmen des Altmärkischen Musikfestes präsentierte die Stadt- und Kreisbibliothek am Donnerstag "Stellmäcke - Lieder und andere Gemeinheiten"

Mit einem Mix aus klangvoller Musik, tiefsinnigen Texten und pointierten Witzen fällt es dem Duo nicht schwer, die ungeteilte Aufmerksamkeit des Publikums gleich unmittelbar nach dem Programmstart für sich einzunehmen. In bester Liedrmachermanier bescherten Stellmäcke und Müller den Gästen einen überaus unterhaltsamen Abend...

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Folker - Mai-Ausgabe 2016

Reinhard "Pfeffi" Ständer hat zu unserem Konzert bei der Gundermann-Party im Februar 2016 in der Kulturfabrik Hoyerswerda einen Konzertbericht geschrieben. Lesen kann man ihn in der Mai-Ausgabe des Musikmagazins. Hier eine Leseprobe:

Drei Monate nach dem Gewinn des Jurypreises beim Liederfest Hoyschrecke kehrte Stellmäcke zurück in die Hoyerswerdaer Kulturfabrik. Diesmal im Rahmen einer Gundermann-Party mit Band und einem nahezu kompletten Programm. Bereits am Nachmittag führte er mit seinem Gitarristen Das Leuteliederhaus für Kinder auf. Stellmäcke heißt eigentlich Olaf Stelmecke. Weil sein Name immer wieder falsch geschrieben wurde, nahm er ihn gleich als Künstlernamen. Er lebt im Erzgebirge, spricht aber nicht den dortigen Dialekt, da er gebürtiger Sachsen-Anhaltiner ist. Der studierte Geotechniker ist seit 1997 professioneller Musiker. Zehn Jahre zuvor gründete er die Gruppe Wunderbuntd, die regional vor allem mit Songs von Rio Reiser bekannt wurde. Einflüsse auf seine Musik sieht er aber eher in französischen Chansonniers, der Formation Bratsch, bei Wenzel, BAP oder Heinz Rudolf Kunze. Inzwischen kann er von seiner Musik leben, in erster Linie mit Kinderprogrammen.
Im Mittelpunkt des Konzertes standen Titel vom neuen, viel beachteten Album Vérité Et Poésie. Auffällig ist eine oft überraschende Sicht auf die Dinge des Lebens und fast immer ein noch überraschenderes Ende eines Liedes, das auch sarkastisch sein kann wie in „Rettungsschirm“. Stellmäcke erzählt in seinen Liedern kleine, meist skurrile Geschichten, die man sich durchaus auch als Film vorstellen kann, wie etwa im Fall des Titelsongs der aktuellen CD oder in „Das schafft er nie“ über einen Weltreisenden, dem das eigene Zuhause unwichtig ist. Plakative Texte sind nicht seine Sache.

... mehr im Heft.

Freie Presse - Kultur vom 04.02.2016

Liederpoet in Selbstverwaltung

VON FRANK HOMMEL

 

Der erzgebirgische Dichter Olaf Stelmecke hat mit seiner Trotzband ein bemerkenswertes Album vorgelegt. Reich wird er davon wohl nicht – wohl aber seine Zuhörer.

Chemnitz - Man stelle sich ein Land vor, in dem jeder immerzu lacht. Das Lustigland. Besonders lustig ist es freilich nicht. Wer weint, dem droht kurzer Prozess. Wie Marie. Die ist geflohen, aus dem Trauerland, wo das Lachen verboten ist. Erst lacht sie befreit auf. Doch als sie an ihre Heimat zurückdenkt, kommen ihr die Tränen. Sie bezahlt sie mit dem Leben. Man stelle sich einen Mann vor, für den die größten Herausforderungen gerade so reichen. Barfuß durch die Wüste, schwimmend durch den Ärmelkanal, Heuschrecken zum Frühstück und in Mekka heimlich Alkohol. Nur vor einem schreckt er zurück: dem Spaziergang in Teterow am See. Eine Phobie, die sich als Unfähigkeit zu lieben entpuppt. Man stelle sich eine Frau vor, die den perfekten Gefährten hat. Ob es regnet, die Sonne brennt, sie vom Dach fällt: Ihr hilft der Rettungsschirm. Dem nervigen Köter der Nachbarn macht er den Garaus, samt Nachbarn. Und wenn sie keinen Kredit bekommt, dann droht sie der Bank – mit dem Rettungsschirm. Den Mann, der aus solch doppelbödigen Geschichten Songs macht, muss man sich nicht vorstellen, den gibt es wirklich. Er heißt Olaf Stelmecke und ist Stellmäcke, der „Liederpoet“, wie er sich selbst nennt. Liedermacher, das klingt ihm zu sehr nach Formen und Pressen und Arbeiten. Mit seiner aktuellen CD „Vérité et Poésie“ beweist er seine Ausnahmestellung unter den sächsischen, ja, man muss es trotzdem sagen, Liedermachern. In dieser Sparte ist „Vérité et Poésie“ ja auch nominiert beim Preis der Deutschen Schallplattenkritik. Am 12. Februar wird veröffentlicht, ob die CD im Rennen bleibt. Zu wünschen wäre es. Weil die Texte gekonnt auf schmalen Graten wandeln. Witzig, aber nicht platt, melancholisch, aber nicht depressiv, zeitkritisch, aber nicht eindeutig. Und weil er mit seiner Trotzband ein musikalisch rundum gelungenes Album hinlegt, flott, vielfältig, elegant zwischen weltmännischem Pop und französischem Chanson wandelnd. Inklusive einer Version von Édith Piafs „Johnny“ und einem eingedeutschten Titel der Band „Bratsch“. Im Vergleich zu den Vorgängern rückt der Bandgedanke in den Vordergrund. Und die Produktion klingt so ausgefeilt wie die einer großen Plattenfirma.

Seine Texte sind witzig, aber nicht platt, melancholisch, aber nicht depressiv, zeitkritisch, aber nicht eindeutig.

Dabei hat Stellmäcke die CD selbst finanziert. Eingespielt wurde sie in einem Radebeuler Studio, das der Semperoper-Tontechniker Mike Wappler betreibt. Anderthalb Jahre dauerte es bis zum fertigen Album. Eine Geldanlage kann das in Zeiten von Streamingdiensten kaum werden. „Die CD ist ein Service fürs Publikum“, sagt er. „Und es ist schön für einen Künstler, etwas Handfestes zu haben, etwas Konkretes, ein Werk, das man selbst erschaffen hat.“ Dennoch dürfte Stellmäcke einen Rettungsschirm vorerst nicht benötigen, dafür ist er zu beständig. 80 bis 100 Veranstaltungen jährlich auch für Kinder zeigen das. Allwochenendlich macht er sich auf aus seinem Dorf im Erzgebirge, wo der gebürtige Sachsen-Anhalter seit fast 20 Jahren lebt, und besingt und bespielt die Republik von Augustusburg bis Zislow. Er kam einst fürs Studium nach Freiberg. Ließ es aber noch zu DDR-Zeiten sausen, um 1987 die Gruppe Wunderbuntd mitzugründen. 1997 legte Olaf Stelmecke doch noch ein Diplom ab, aber das war’s dann mit der Karriere als Geotechniker. Stellmäcke ist aber kein Träumer, sondern Künstler in Selbstverwaltung. Verträge, Plakate, Übernachtung, Honorar, Flyer – um alles kümmert er sich. Die Büroarbeit würde für eine Halbtagskraft reichen. „Ich würde gern noch mehr schreiben“, sagt er. „Aber dafür ist keine Zeit.“ Fürs Kreative braucht er einen freien Kopf. „Erst kristallisiert sich die Idee heraus, dann arbeite ich wie ein Bildhauer an seinem Stein: Überflüssiges wird entfernt, das Ganze komprimiert, verdichtet. Deshalb heißt der Vorgang ja Dichtung.“ Er kann auch kratzbürstig. Das zeigt „Banal“. Das Lied beginnt als ironische Groteske: „Ich singe jetzt ein verständliches Lied, ohne Kakophonie, ohne falsches Morphem, (…), ohne die Hybris moribunder Bohéme.“ Und wie man noch schmunzelt, wandelt sich „Banal“ plötzlich zur Anklage: „Dieses Lied kann man hören so schön nebenbei. (...) Beim Missbrauchen, beim Treten und beim Korrumpieren.“ Man stelle sich vor, Olaf Stelmecke verliert seine Vorstellungskraft. Unvorstellbar. Am Schluss der CD siegt die Hoffnung: Neben dem Trauer- und dem Lustigland gibt es ja auch noch das Land der Utopie. Also belassen auch wir es, wie Stellmäcke auf Vérité et Poésie“, bei einem glücklichen Ende. Die CD von Stellmäcke und Trotzband gibt es auf seiner Internetseite.

Vogtlandanzeiger am 11.03.2013

Zum Konzert am 09.03.2013 auf Schloss Leubnitz

Von Jochen Pohlink

 

... Außergewöhnlich deshalb, weil es den üblichen Rahmen einer rein musikalischen Darbietung sprengte: Die Musik wurde mit pointiertem Witz und der einen oder anderen ausgefallenen Idee geradezu meisterhaft ergänzt.

„Wir haben zur Erhaltung des Winterliedes in Zeiten der Erderwärmung auch ein oder zwei Beiträge im Programm“, erklärte Olaf Stelmecke, wie Stellmäcke bürgerlich heißt. Der heute 48-jährige aus der anhaltinischen Egelner Mulde hatte bis zu seiner Entscheidung ´große Kunst für Kleine und Kleinkunst für Große zu machen´, wie es einer seiner Kritiker beschrieb, eine bewegte Erwerbsbiografie. Der diplomierte Geotechniker hat sich als freischaffender Künstler in einen Freiraum zurückgezogen, aus dem heraus er mit Dirk Treptow und mit Meikel Müller (der in Leubnitz fehlte) in seinen Konzerten in ungewöhnlicher Form Menschen begeistert.

Er nimmt das ´Normale´ in seinen ausschließlich selbstgestalteten Liedern auf die Schippe und vervollständigt die Passagen zwischen ihnen mit hintergründigen Texten, die auch schon mal kabarettistische Züge tragen. In gekonnter Form ergänzte Treptow mit seinen vielfältigen Musikinstrumenten vom Saxophon über die Klarinette und  Perkussionsinstrumenten bis hin zum Xylophon die Gitarren- und Konzertinastücke Stellmäckes. Dazwischen immer wieder Bemerkungen wie „Daten kann man nur schützen, wenn man sie hat.“

Seit 2003 gibt Stellmäcke mit seinen Partnern 8 bis 10 Konzerte monatlich bundesweit und darüber hinaus gestaltet er auch Kinderveranstaltungen mit Meikel. Die Besucher seines Leubnitzer Auftritts waren begeistert. So Silke Neidel: „Es war einfach ein Hinguckhörschmaus!“ oder Christa Ottiger mit ihrer Feststellung: „Einfach super.“ Besonders die Wortspielereien, die zur ständigen Erheiterung der Zuhörer Anlass boten, sollten bei einer möglichen Wiederholung eines Stellmäcke-Konzerts in Leubnitz Anreiz sein, mehr Besucher teilhaben zu lassen. 

 

Leipziger Volkszeitung vom 29.12.2011

„Es läutern die Glocken“

Ernsthaftes und Heiteres zur Nach-Weihnachtszeit

Schenkenberg. Aller guten Dinge sind drei. So beispielsweise auch der Auftritt von drei Musikern. Davon konnten sich die Besucher der Schenkenberger Kirche am Mittwochabend überzeugen. Mit ihrem Winterprogramm „Es läutern die Glocken“ boten Dunja Averdung, Jörg Nassler und Olaf Stelmecke (alias Stellmäcke) zwei Stunden Augenzwinkerndes und Nachdenkliches in Form von Wort und Musik. Dazu passte die Kulisse der Kirche, die noch ganz im Weihnachtsglanz erstrahlte. Außerdem war es kuschlig warm, so dass jedermann das Programm in entspannter Atmosphäre genießen konnte. Mit „Kommt rein, kommt rein!“ „Guten Abend!“, „Hallo!“, „Moin, Moin!“ begrüßten die Künstler das Publikum und kündigten an: Die musikalische Gewürzmischung solle man nicht nur auf sich rieseln lassen, sondern Mitmachen sei erwünscht. „Wir singen jetzt Lied Nummer 127“, forderten die Bühnenakteure kess die Gäste auf – und diese staunten nicht schlecht beim Blick ins Textheft. Denn die bereinigte Form von „Morgen, Kinder, wird’s was geben“ aus der Feder von Erich Kästner ließ viel Platz zum Nachdenken. Ob gelesen, gesungen oder musiziert – die Interpreten verstehen ihr Handwerk. Während Dunja Averdung vor allem die Gäste mit ihrer Stimme in den Bann zog, überzeugte Nassler vorm riesigen Weihnachtsbaum mit seinen mystischen, warmen, aber auch kraftvollen Gitarrenkünsten. Ob die Saiten gezupft oder geschlagen beziehungsweise einfach nur die Gitarre als Klanginstrument benutzt wurde – das, was er tat, war eine Klasse für sich. So auch der Dritte im Bunde, bekannt unter seinem Künstlernamen Stellmäcke, zeigte, was er konnte. Bewegende Mimik und Gestik, gepaart mit instrumentalem Können an Konzertina und Gitarre war das Rezept für feinen Augen- und Ohrenschmaus. Ebenso seine Geschichte vom Onkel Rudi und dem Neffen Olaf, der als Kind eines Kommunisten dann doch noch die Kirche am heiligen Abend besuchte, zog sich wie ein roter Faden durchs Abendprogramm und schubste schmunzelnd die ein oder andere Kindheitserinnerung an. Aber auch Dunja Averdung brillierte als hervorragende Erzählerin und las „Die Geburt“ von Rafik Schami, die mit lustigen Parallelen zur Weihnachtsgeschichte aufwartete. Ein rundum gelungener Winterabend, den das Trio mit seinem Programm lebendig werden ließ und die Wartezeit aufs neue Jahr verkürzte. Wer sich gern auf gehaltvolle Musik und ebensolche Texte einlässt, dem ist geraten, auch weiterhin dieser tollen Mischung von Klang und Artikulation sein Ohr zu leihen.

Anke Herold

Folkworld Nr.46 / November 2011

Stellmäcke & Nassler: CD "Kalenderlieder"

Stellmäcke ist ein wunderbar wacher Liederschreiber und Sänger, davon konnte man sich auf seinen vorherigen Alben 'Augenlieder' und 'Lieder vom Verschwinden' überzeugen. Produziert wurden beide von Jörg Nassler, dem Dresdner Gitarrenvirtuosen, der jetzt samt Studio an die Ostseeeküste gezogen ist. Im neuen, heimischen Fischohrstudio entstand die nun vorliegende gemeinsame CD 'Kalenderlieder'. Diese enthält poetische, pointierte und hintersinnige Lieder aus der Feder von Stellmäcke in Arrangements von Nassler. Jeder bringt seine Erfahrung ein und macht was er am besten kann. Nassler erweist sich neben seinem Gitarrenzauber als Multiinstrumentalist und Stellmäcke verleiht den Liedern gesangliche Spannung. 'Kalenderlieder' ist mehr als die Wiedergabe des aktuellen Live-Programms. Entstanden ist ein abwechslungsreicher Liederbogen rund um den Jahreslauf, der auch die jeweiligen künstlerischen Lebensläufe der Ausführenden widerspiegelt. Da ist es nur allzu natürlich dass auch Dunja Averdung einmal als Gesangsgast brilliert, dass es Nassler manchmal musikalisch nach Südamerika zieht und Stellmäcke mit fester Stimme gegen die Abgründe unserer Zeit ansingt. Ein Muss für alle die vor Inhalt nicht zurückschrecken und sich an erstklassigen akustischen Arrangements erfreuen können.
© Holger Brandstaedt

Veitshöchheimer Synagogenhof am 21.08.2011

Ins Netz gestellt von Dieter Gürz

Mit Stellmäcke und seiner Band erlebten die rund 90 Zuhörer beim vierten diesjährigen Sommerkonzert im Synagogenhof einen deutschen Liedermacher par excellence aus dem Osten Deutschlands. Die laue Sommernacht tat ein Übriges, dass es zu einem in Veitshöchheim bisher einmaligen und unvergesslichen Liedermacher-Konzert-Erlebnis wurde.

Stellmäcke (so der Künstlername), dessen letzte CD „Augenlieder“ von der Jury der Liederbestenliste zur CD des Monats März 2009 gewählt worden war, freute sich, erstmals mit seiner Band im "Silvanerland" auftreten und nach dem Konzert diesen Wein in der "Fischerbärbel" genießen zu können.

"Stellmäckes Art zu texten und zu singen, ist eine der höchst selten gewordenen wirklichen Entdeckungen in der eher traditionell zu nennenden Songschreiberszene. Das ist originell und erfrischend, komisch und hellwach zugleich, wozu die gelungenen Arrangement-, Gitarren- und Percussionskünste behutsam beitragen " so ist aus den Kritiken auf Stellmäckes Homepage zu lesen. Stellmäcke ist danach alles: Liedermacher, Poet, Musiker, witzig, melancholisch, manchmal auch ein wenig clownesk.

So servierten Stellmäcke & Band auch in Veitshöchheim ihren Zuhöreren anspruchsvolles Liedgut, poetisch-satirische Betrachtungen über Werte und Gefühle, variierte das Trio zwischen Chanson, Folk, Jazz und Klezmer.

Seinen ersten Song widmete Liedermacher Stellmäcke dem vor wenigen Wochen im Alter von 60 Jahren verstorbenen französischen Akkordeonisten Jean Pacalet, der ihn selbst mit diesem Song bei gemeinsamen Auftritten auch begleitet hatte.

Bereits hier entpuppte sich die Band als ein äußerst virtuoses Trio, das über drei Stimmen und zwölf verschiedene Instrumente verfügt. Auf der linken Seite der Bühne spielte sich Dirk Treptow mit seinem Saxophon in den Vordergrund, später spielte er auch Klarinette und Flöte und gelegentlich trommelte er sogar auf einem tönernen Blumentopf. Michael Müller saß auf der rechten Seite am Schlagzeug, griff zu Gitarre und Bass. Dazwischen sang und moderierte Stellmäcke und zog bei einigen Songs geschmeidig an der Konzertina und den Saiten seiner Gitarre.

So boten sich den versierten Musikern durch Wechsel der Instrumente vielfältige Möglichkeiten, den Zustand der Welt aus ihrer speziellen Sicht zu beschreiben. Die poetischen und vielsagenden Texte voller zeitbezogener Hintergründe und Wortspiele setzten beim Zuhörer Gehirnarbeit voraus, um sie auch richtig verstehen zu können. Darunter waren auch romantische Liebeslieder wie "Heute Nacht ist der Fluss zugefroren" oder das von der Konzertina begleitete flotte Walzer-Tanzlied "Liebste lass uns tanzen" bis hin zum voller Sehnsucht klingenden Song "Nur von Dir fehlt ein Wort."

In kleinen Geschichten wie "Wir sind immer da" nehmen sie das Datensammlungs-Problem auf die Schippe oder in "Wenn ich weg bin" was passiert, wenn man das Land verlassen muss. Auch macht sich Stellmäcke Gedanken über das Ableben und wünscht sich als Grabbeigabe ein Handy nebst Aufladegerät, das über eine Solaranlage gespeist wird.

Um verlorene Tage geht es beim Song "Wahlsonntag" im Blues-Rhytmus, an dessen Ende der Teufel die Rechnung aufmacht. Folkloristisch wird es beim anlässlich der Erderwärmung getexteten Stück "Erhalt des Winterliedes". Im höchst melodiösen Klezmer-Rhythmus erklingt das Lied "Könntest Du mich noch einmal mit meinen Ohren hören."

Elemente des Folkrock, des Jazz mit sehr inspirierten Improvisationen führen das Programm auch in Bereiche des rein instrumentalen Konzertierens voller melodischer und harmonischer Farben.

Dass Stellmäcke auch sich selbst gerne mit Humor nimmt, sieht man an seiner Vita auf seiner Homepage, wie der folgende Ausschnitt beweist: "... Nach der Öffnung der Mauer folgten erste Reisen auch ins Inland. Während dieser Wanderjahre betätigte er sich erfolgreich als Einlasser einer finnischen Sauna und als Religionsforscher auf einem Fährgastschiff der mecklenburgischen Seenplatte. Nach einem weiteren Freibergbesuch 1997 und seiner Diplomierung zum Geotechniker wandte er sich von der säkularisierten Zivilisation ab und zog sich als freischaffender Künstler ins zentrale Erzgebirgsmassiv zurück. ..."

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Stellmäcke & Band, das war originelle und erfrischende, komische und hellwache Musik mit perfekten Arrangement-, Gitarren- und Percussionskünsten, die das Publikum restlos begeisterten.

Heitere Melancholie in Liedern und Geschichten

Braunschweiger Zeitung vom 10.06.2011

Literaturkreis hatte Allround-Talent Stellmäcke zu Gast

Von Beatrix Flatt

Helmstedt. Stellmäcke ist alles: Liedermacher, Poet, Musiker, witzig, melancholisch, manchmal auch ein wenig clownesk. Etwa 60 Mitglieder und Freunde des Literaturkreises Helmstedt unter Leitung von Wolfgang Rischer konnten am Mittwochabend in der Volksbank Helmstedt eine Kostprobe genießen. 
  Stellmäcke erzählt mit seinen Liedern Geschichten, so bildhaft, dass man sie nicht nur hören, sondern fast sehen kann. Mit seinem "analogen Beamer" unterstützt er sein Publikum beim sehenden Hören oder beim hörenden Sehen. Mit einer Hand bedient er die Fernbedienung, mit der anderen Hand zieht er an einer Schnur, damit das nächste Bild sichtbar wird. Er zelebriert den Bildwechsel regelrecht. 
  Und dann schweifen die Blicke von Stellmäcke mit seiner ausdrucksstarken Mimik über die wunderschönen historischen Konzertinas, die leuchtend rote Trommel, die er gelegentlich als Fußstütze nutzt (natürlich strümpfig), bis hin zu den Fotografien. 
  Fast nebenbei erzählt er Geschichten aus seinem Leben. Da gibt es zum Beispiel die Geschichte "In der Kirche". Hier schildert er seine Beobachtungen als DDR-Kind beim Besuch eines Weihnachtsgottesdienstes mit Krippenspiel. "Es scheint niemandem gefallen zu haben, denn keiner klatscht", so der kleine Junge, der damals glaubte, dass Kommunismus vererbt wird.
  Oder: Wenn ich weg bin, werden die Spinnen mich vermissen hinter dem Schrank..." Hier kommt der Kabarettist Stellmäcke durch: Angeblich musste er das Land verlassen, da das BKA arabische Zahlen auf seinen Kontoauszügen feststellte und eine Bedrohung durch den Islam befürchtete. Ein anderes Lied berichtet von den "Schuhen, die trotz der losen Zungen stumm bleiben und ihre eigenen Wege gehen."
  Stellmäcke zeigt sich nicht nur mit dem analogen Beamer scheinbar modern. Er präsentiert auch seine Payback-Karte: Für die über 30-Jährigen im Postkartenformat und für die Jüngeren in Scheckkartengröße. Bei jedem Konzertbesuch oder CD-Kauf wird abgestempelt. 
  Und was er als Grabbeigabe haben möchte, ist für ihn auch schon klar: Mein Handy mit Ladegerät! Strom sollte über Solarzellen auf dem Grab kommen. "Man muss auch an die Archäologen denken", so die Begründung des Künstlers.
  Stellmäcke begeisterte das Helmstedter Publikum nicht nur mit den Texten, sondern auch mit der einfühlsamen Musik. Mit zwei Konzertinas, einem kleinen Schlagwerk, das er mit Füßen bediente, und einer Gitarre begleitete er sich selber.
  Als Zugabe ein erotisches Kinderlied: "Frau Mager liebt Herrn Fett, Herr Fett passt nicht ins Ehebett..." Vielleicht kommt Stellmäcke mit seinen Musikern, mit denen er oft zusammen auf der Bühne steht, mal wieder nach Helmstedt, um sein ganzes Repertoire an Liedern präsentieren zu können. Also die Payback-Karte gut aufheben.

In 120 Minuten durch ein Jahr

HNA am 24.05.2011
Stellmäcke und Nassler gastierten mit Kalenderliedern im Weinhaus Römer

Bad Karlshafen (zlö). Seine Stimme und seine Mimik sind gleichermaßen beweglich und immer in Bewegung. Ob rockig, tänzerisch oder melancholisch, ob Drei- und Viervierteltakt oder Komplizierteres - Stellmäckes musikalische Beweglichkeit macht es möglich, ein ganzes Jahr mit Liedern zu füllen.
"Kalenderlieder" heißt die soeben erschienene CD, die er gemeinsam mit Jörg Nassler aufgenommen hat und jetzt auf der Kleinkunstbühne im Bad Karlshafener Weinhaus vorstellte. Ergänzt wurden die Lieder auf der Bühne durch Fotos von Burkhard Schade.
Die kunstvolle Lyrik Stellmäckes, ob sie nun vom zugefrorenen Fluss, vom verlorenen 29. Februar oder dem Geburtstag im August erzählt, ist in eingängige Melodien verpackt. Dazu verwebt sich das Gitarrenspiel von Stellmäcke und Nassler, der auch noch vokalen und perkussiven Hintergrund lieferte zu einem dichten Soundtrack, der den Zuhörern immer wieder neue Zusammensetzungen von Klang und Artikulation bot.

Publikum half mit

Zu hören war neben den Stellmäcke-Liedern auch ein Stück aus dem Solo-Programm Jörg Nasslers, der zeigte, wie sich Virtuosität in musikalische Lebendigkeit wandeln lässt - unterstützt vom Publikum, das für maritime Naturgeräusche zu sorgen hatte.
Dem Publikum war ein Jahr in zwei Stunden allerdings deutlich zu wenig: Stellmäcke und Nassler mussten, begleitet von viel Applaus den Kalender verlängern und mehrfach für Zugaben auf die Bühne steigen.

www.deutsche-mugge.de vom 14.12.2010

KONZERT IN BERLIN 12.12.2010
Bericht: Andreas Hähle 

Es läutern die Glocken
Ein Weihnachtsprogramm der ganz besonderen Art mit Dunja Averdung, Jörg Nassler & Olaf Stellmäcke

Der Titel des Programms, mit welchem die drei oben erwähnten KünstlerInnen am 12. Dezember im Teatro "Felicio" in Berlin auftraten, ließ ja ganz viele Assoziationen zu. Eine stimmte auf alle Fälle. Es war ein weihnachtliches musikalisches Programm der ganz besonderen Art. Zumal Kleinkunst in dieser dargebotenen Form ja heutzutage an und für sich schon etwas ganz Besonderes ist. Insofern durfte ich an jenem Sonntagabend etwas Besonderes aus dem Besonderen erleben.

Dunja Averdung und Jörg Nassler kennen die einen oder anderen vielleicht als Duo "Liaisong" oder als ein Viertel der "Liebesbande" und Stellmäcke war mit Jörg Nassler auch schon bereits unzählige Male unterwegs. Und nun also diese außergewöhnliche hin- und mitreißende musikalische Menage á troi. Ich möchte gar nicht allzuviel über das Programm selbst plaudern. Es wird ja sicher noch öfter zu erleben sein, wenn nicht in diesem dann mit Sicherheit wieder im nächsten Jahr. Mit Technik oder unplugged, so wie ich es erlebte, je nach Größe der Räume, in welchen sie auftreten werden. Mit einem Programm, das fast nichts ausläßt. Musikalisch ohnehin nicht, denn wer alleine Olaf Stellmäcke erlebte oder Jörg Nasslers mehr als virtuoses Gitarrenspiel oder den faszinierenden Gesang Dunja Averdungs, der unterliegt bereits diesen im einzelnen in süchtiger Laune. Und dann noch alle drei zusammen und gemeinsam. Da kommt der musikalische Genussmensch zum einen ganz auf seine Kosten, aber auch diejenigen, die sich bei entsprechenden Liedern mit zuvor ausgeteilten Texten selber musikalisch einbringen mögen in die heiter-besinnliche weihnachtliche Stimmung. Die Lachmuskeln mußten ebensowenig erschlaffen wie der gern wach sein mögende Geist in feiner Ironie und auch in tiefsinnigem Insichhineinschauen. Ein Programm, welches man gerne wieder so erleben mag. Zumal wenn es in so beschaulicher, ja auch schon fast weihnachtlicher, familiär suggerierter Atmosphäre stattfindet.

Weihnachtslieder und Winterlieder kamen zu Gehör, ein gehöriges Potpourri aus eigenem und - dies in größerer Anzahl - Gefundenem, auch Überraschendes zum Thema. Für den Geist wurde gelesen, von Dunja Averdung und eigenes von Olaf Stellmäcke. Und in diesen eigenen Texten vermochte wohl so mancher seine illustren Kinderabenteuer und -gedanken wieder entdecken oder neu, vertraut sind die Begebenheiten in den sinnigen Texten allemal, nicht nur für Ostkinder wie mich.

Das musikalisch Besondere an diesem Programm ist das, was jeder einzelne in ein Team einbringt, mal ganz vorne, mal sich zurücknehmend, um Platz und Raum für die anderen zu lassen, aber immer genau den musikalischen Punkt, die Atmosphäre, die Stimmung zu treffen und letzten Endes also genau das Publikum in Herz und Seele und Geist. Mal besinnlich, mal eine Explosion auf der Bühne und immer nahe bei uns, die wir lauschten und lachten und mitsangen. Ganz bei uns.

Dieses Programm empfehle ich allen weiter und möchte gerne mehr davon, nicht nur im Winter, wenn es schneit... Vielen Dank und... bis in Kürze!

Freie Presse am 20.12.2009

Von Thomas Voigt

Plauen. Gestatten, Stellmäcke. Am Samstagabend präsentierte sich im Malzhaus ein äußerst virtuoses Trio. Stellmäcke und Band erzeugten mit ihrem Programm "Augenlieder" jede Menge poetische Bilder. Ein aufnahmebereites Publikum sperrte die Ohren im Gewölbekeller weit auf. Wer Stellmäcke konsumiert lässt sich auf anspruchsvolles Liedgut ein. Lieder, die man sehen kann - poetisch-satirische Betrachtungen über Werte und Gefühle.
Musikalisches Fastfood hört sich anders an. Das Projekt definiert sich über drei Stimmen und zwölf verschiedene Instrumente. Allein das beeindruckte. So boten sich den versierten Musikern vielfältige Möglichkeiten, den Zustand der Welt aus ihrer speziellen Sicht zu beschreiben. Die Sitzrunden an den Tischen bekamen ein gehaltvolles Menü à la Stellmäcke serviert - pointierter Witz mit einem Schuss Melancholie. Musikalisch variierten die Herren zwischen Chanson, Folk, Jazz und Klezmer. Entsprechend wechselten die Instrumente. Michael Müller saß am Schlagzeug, griff zu Gitarre und Bass. Auf der anderen Seite der Bühne spielte Dirk Treptow Klarinette und Saxophon. Gelegentlich trommelte er sogar auf einem tönernen Blumentopf. Stellmäcke zog geschmeidig an der Konzertina. Die Songs schossen direkt in die Verarbeitungsmodule des Gehirns. Kleine Geschichten von der "germanisch-depressiven Grundstimmung" und vom "Wahlsonntag", an dessen NEde der Teufel die Rechnung aufmacht. Eine Mischung aus griechischer Tragödie und Komödie. Dem Kopfkino war dabei Tür und Tor geöffnet.
"Augenlieder" - das war keine Augenwischerei, so der allgemeine Tenor des Malzhaus-Publikums bei einem Gläschen nach dem Konzert. Frontmann Stellmäcke hat indessen neue Ziele fest im Blick. Im Frühjahr 2010 haben die "Kalenderlieder" Premiere. Dann mit dem Gitarristen Jörg Nassler.

Tanzend an der Welt drehen

Freie Presse Kultur am 15.03.2008

Ein neues Programm von Stellmäcke & Band: "Augenlieder" für Augenleider

Von Reinhold Lindner

Hainichen. Es stimmt schon, die Lieder Stellmäckes kann man sehen. Kassander, den Seher, der sich davonmacht ("Ich habe geschwiegen, sie waren keiner Worte wert") oder Diogenes den "berühmtesten Obdachlosen", der sich sonnt und dem der Kaiser im Weg steht, den Einsamen, Verlassenen, der durch die nächtlichen Straßen der Stadt irrt. Stelmäckes neues Programm "Augenlieder" nimmt die Fantasie ganz in Anspruch, Einfühlungsvermögen, hellwachen Verstand, man darf sich kein Wort entgehen lassen, möglichst kein einziges verpassen.
Die still gespannte Aufmerksamkeit bei dem Konzert am Donnerstagabend im Ratskeller Hainichen kam allen entgegen, dem Sänger und seinen Musikern, den Zuhörern sowieso. Kein Problem - sie hatten es ja selbst im Griff sich in stelmäckes Lieder versenken zu lassen. Zwar gab es viel Beifall, nie aber wurde auch nur eines der Stücke davon unterbrochen: Ein gutes Konzert in vollem Einvernehmen von Publikum und Musikern. Eine Atmosphäre beinahe wie bei einem der intimen klassischen Kammermusikabende. Stellmäcke (gesang, Konzertina) und seine zwei Musiker Dirk Treptow (Saxophon, Klarinette, Flöte) und Michael Meikel Müller (Schlagzeug, Gitarre, Bass) sind dabei sich einen größeren Namen zu machen, in der Liederszene ist das bekanntlich nicht ganz einfach. Das neue Programm, für das auch eine CD in Vorbereitung ist, dürfte auf jeden Fall einschlagen. Die poetischen und vielsagenden Texte voller zeitbezogener Hintergründe und Wortspiele und die äußerst subtile Musik dazu gehen über Standards weit hinaus. Das Lied bleibt zwar immer der Mittelpunkt, aber Elemente des Folkrock, des Jazz mit sehr inspirierten Improvisationen führen das zweistündige Programm auch in Bereiche des rein instrumentalen Konzertierens voller melodischer und harmonischer Farben. Stellmäcke und seine Band sind gegenüber seinem vorherigen Programm "Lieder vom Verschwinden" einen ziemlichen Schritt vorwärts gekommen - ein eigener Stil ist unverkennbar.
Stellmäcke arbeitet ganz im Stillen in seinem alten erzgebirgischen Häuschen in Haselbach, Mittlerer Erzgebirgskreis, so ungefähr auf halbem Weg zwischen Marienberg und Freiberg. Er ist vielseitig, tritt mit Soloprogrammen auf, auch für Kinder, spielt auf der Bühne mit dem "Theater Variabel" Olbernhau, schreibt Texte, Musik, Arrangements. Natürlich, er hat was mitzuteilen, will nachdenklich machen, er geht bei aller Poesie nicht zimperlich mit unseren Zeiten um - "Mein Land will lachen/ mit dem Mund aus Glas und Stahl/ trägt noch am Hintern/ das braune Muttermal" singt er in einem seiner Lieder.
Seinen Titel "Schweigen" widmete Stellmäcke dem Andenken an Erwin Geschonnek, der am Vortag des Hainichener Konzerts gestorben war, mit dem Lied "Gras" erinnerte er an den legendären Liedermacher Gerhard Gundermann - er weiß sich zu verpflichten. Aber es muss Spaß machen, bei dem Konzert in Hainichen war die Sanges- und Spielfreude unverstellt offenkundig und übertrug sich direkt in den Genuss des Zuhörens. Und der Genuss heißt hier: Augen auf, Ohren auf. Es ist ein schönes vergnügliches Gleichnis, wenn Stellmäcke singt: "Liebste, lass uns tanzen... drehn wir mit den Füßen noch einmal an der Welt..." Er hatte gesagt, die Augenlieder seien für Augenleider, Klarsicht ist wohl doch eher beneidenswert. 

Folkworld (Ausgabe 40)

Zur CD: Stellmäcke & Band "Augenlieder"

Es ist immer wieder schön Neuentdeckungen zu machen. Der Liedermacher Stellmäcke aus dem Osten Deutschlands war mir bisher noch kein Begriff. Stellmäcke hat eine sehr nette Art Geschichten zu erzählen. oft erinnern diese mich an modernere Märchen und regen zum genaueren Zuhören und Nachdenken an. Man kann "eine Nacht auf dem Mond" mit ihm verbringen, auf den Friedhof gehen und mit den Toten per Handy Kontakt aufnehmen - oder die ganz normale Auswahl am Wahlsonntag treffen. Stellmäcke hat Talent uns durch aufregende neue Welten zu führen - und dabei Alltägliches darzustellen. Das Stellmäcke auch sich selbst gerne mit Humor nimmt sieht man an seiner Vita auf der Homepage - ein Ausschnitt: "... Nach der Öffnung der Mauer folgten erste Reisen auch ins Inland. Während dieser Wanderjahre betätigte er sich erfolgreich als Einlasser einer finnischen Sauna und als Religionsforscher auf einem Fährgastschiff der mecklenburgischen Seenplatte. Nach einem weiteren Freibergbesuch 1997 und seiner Diplomierung zum Geotechniker wandte er sich von der säkularisierten Zivilisation ab und zog sich als freischaffender Künstler ins zentrale Erzgebirgsmassiv zurück. ..."
Stellmäcke begleitet seine Lieder mit Gitarre und Konzertina, seine Band besteht aus Dirk Treptow (Saxophon, Klarinette, Rohrflöte, Xylophon) und Michael Meikel Müller (Schlagzeug, Gitarren, E-Bass).
In Zukunft wird man sicherlich mehr von Stellmäcke und seiner Band hören!

Christian Moll

CD-Empfehlung (Liederbestenliste März 2009)

Stellmäcke & Band – Augenlieder

Empfohlen von Danuta Görnandt, Krams

Was eigentlich kann man unternehmen, um zu sehen was los ist? Zeitungen, Fernsehen, Internet? Nein, das ist längst nicht mehr ausreichend. Gut also, dass es eine neue Kunstgattung gibt: Augenlieder. Das sind Lieder, die einem die Augen öffnen und die man manchmal sogar sehen kann. Auch solche, die einen hinter die Dinge blicken lassen. Und manches ins Blickfeld rücken, was es so vermeintlich gar nicht gibt. Vielleicht auch, dass man dem einen oder anderen eines davon aufs Auge drücken sollte … Jeder Mensch, der noch einige seiner sieben Sinne zusammen hat, sollte diese Lieder kennen. Das lohnt schon allein deshalb, weil der Sänger und Autor Stellmäcke sowohl das Blicken wie auch das Hören in wunderbar poetischer Weise ermöglicht. Da schreibt und singt einer Texte, die noch wirkliche Poesie sind, die noch richtige Bilder haben, die einen mitnehmen, wohin auch immer! Da macht das Zuhören selbst mit geschlossenen Augen Spaß, wohl auch dank der Musik, die sich souverän zwischen Jazz, Folk und Rock bewegt.

Empfehlung Lied (Liederbestenliste März 2009)

Stellmäcke & Band – Augenlied

Empfohlen von Peter Eichler, Leipzig

Blickpunkt Augenlid oder Augenlied – das ist hier die Frage. Stellmäckes Song umreißt in unverschämt offenen Worten, dass der Künstler, und sei er noch so produktiv, immer noch seine bessere Hälfte braucht, um über die Runden zu kommen. Das Zitat aus Lessings Emilia Galotti, der Maler Conti dem Prinzen antwortet: „Prinz, die Kunst geht nach Brot…“ wird in diesem Lied offensichtlich zerlegt: Er geht seiner Kunst nach und sie geht nach Brot. Stellmäcke gewährt einen tiefen Einblick in den (seinen?) künstlerischen Produktionsprozess, der vor allem im Suchen zu bestehen scheint. Im Suchen nach einem Plan, nach einem Ziel, nach der Idee für ein Lied. Und im Ringen um das geschliffenen Wort, die wohlklingende Melodie werden dem Liedermacher zur Mittagszeit die Augenlider schwer und es wird deutlich: schwere Augenlider machen es schwer, Lieder zu schreiben.
Stellmäcke, der ein großer Poet ist, lässt uns in „Augenlied“ nah an sich heran und wirft einen ironischen Blick auf das „Lieder machen“. Er gesteht ein, dass der Künstler essen und vor allem auch schlafen, seine Augenlider schließen muss, da sonst der Blick für das Schöne verloren geht, zumindest aber getrübt würde. Ein witziges Lied, das all jenen Hörern die Augen öffnet, denen der Alltag eines Liedermachers bisher völlig fremd war.

Folker über CD "Lieder vom Verschwinden"

In der Ausgabe vom November 2006:

Auf individuelleren Pfaden wandelt Stellmäcke, geistreicher Metaphoriker wie Wenzel (mit Konzertina, Konzertgitarre und Clowns-Maquillage), aber auch von Hellerscher Indolenz („Der Neunundzwanzigste“) und Kramerscher Sensibilität („Meine Schuhe“). Nicht mehr lange Geheimtipp!